„Hart aber Fair“

Antragstellerinnen: Anne Döring, Melanie Reichert – Philosophisches Seminar

In Deutschland müssen sich Gleichstellungspolitik und feministische Positionen immer noch für ihre bloße Existenz rechtfertigen. Dies lässt sich sehr eindrucksvoll am Beispiel der TV-Talkshow „Hart aber Fair: Nieder mit den Ampelmännchen. Deutschland im Gleichheitswahn?” illustrieren, die 2015 im WDR ausgestrahlt wurde. Das TV-Podium versammelte unter der Moderation von Frank Plasberg fünf Gäste: Anton Hofreiter (Die Grünen); Wolfgang Kubicki (F.D.P), Anne Wizorek (Medienberaterin; #aufschrei ); Birgit Kelle (für „femininen Feminismus”) und Sophia Thomalla (Schauspielerin, „It-Girl”) in heiter-aufgeregter Gesprächsrunde. Diskutierte Themen waren u.a. Frauenquote, Lohngerechtigkeit, Gender-Mainstreaming. Dabei waren es nicht nur die von Zeit zu Zeit gezeigten Einspieler, die diese Themen ridikülisierten und Geschlechterpolitik als Veruntreuung von Mitteln öffentlicher Hand inkriminierten, sondern auch die gesamte Gesprächssituation. Insbesondere die Diskussion um die Unterscheidung von Sex und Gender wurde durchweg bagatellisiert und diminuiert. An die Ausstrahlung der Sendung schloss sich eine hitzige öffentliche Debatte.

Das Projekt unternimmt eine künstlerische Aufarbeitung dieser Sendung, durch die sowohl Präsentationsformen und Themen der Debatte als auch die Verfasstheit von Geschlechterkategorien in Frage gestellt werden sollen. In einem professionellen Reenactment der Sendung sprechen insgesamt sechs Schauspieler*innen auf der Bühne ein Wort-für-Wort-Transkript dieser Sendung. Konzeptuelle Folie bildet hierbei der Verfremdungseffekt des Brechtschen Theaters.

Das Projekt wird mit 1.500€ gefördert.